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4月23日

ZWEI UFER / DUE RIVE

ZWEI UFER

I

Ein Boot zieht über das Wasser, nicht lange vor Sonnenaufgang:
kommt es näher? Entfernt es sich? In dem noch grauen
metallischen Licht, in der kalten Luft,
durch die nächtlichen Nebel und Dünste gleitet es sicher,
Zug um Zug schiebt sein Ruder das Wasser beiseite.
Dann kommt auch der Tag, der erhellen wird,
was undeutlich war. Doch das Boot überquert
eine brüchige Grenzlinie
und verschwindet. So mag diese Fahrt
nutzlos sein. Nutzlos und wesentlich.
Nichts zu befördern, kein Ziel zu erreichen.
Nur das Wasser durchziehen,
das Licht vorauswissen,
den Tag trennen
von der Nacht.

II

Siehst du es einmal, dann denk auch
zwei Ufer, ihr Bild, ausser Sicht.
Auf einer Seite Ruinen
und grosse Haufen
Kompost oder Kies, ein verkehrtes
Abendbild - vielleicht eine grade Strasse,
hohe, verwohnte Häuser und graue Treppen, Geländer,
leere Zimmer und Flaschen, das Confetti-
Begräbnis, ein Waschbecken,
das rinnt bis zuletzt oder bis zum Nie-wieder,
bis zu letzten letzten Fluss,
der in den Venen platzt, bis zum grossen Sterben
der zerfetzten, erschöpften Gespenster:
erinnert uns nicht, oder tut es, aber
es hilft nichts, wir sind im vereisten
Grund, die Kruste hart, auch da sind wir nicht,
wir möchten wohl bloss
nie gewesen sein -
ein Ermatten der Sonne, der Zeit, und geringe, alltägliche Greuel:
einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig,
ohne zu atmen;
und zu dem anderen Ufer hin, das es nicht gibt,
ein bisschen Nebel unbestimmt bläulich,
ein unerwarteter Schein, der verblüfft und entzückt als Entzünder
der erneuerten Reinheit der Luft –
Sterne und Sternchen, Leuchtkäfer, Staubkörner
auf einer Flussströmung, plötzliches Streifen
von Flügeln, oder auch einfach hinter der Ecke
der Ausblick auf Strassen, die etwas verschliessen,
vielleicht eine Mutmassung oder ein näheres, weniger schweres
Ansehen der Dinge:
Wir werden uns an deinen sanften Blick erinnern, deinen Namen
unseren Kindern nennen als den eines Freundes,
dich suchen im Grund, im spärlichen Gras –
und ein unmerklicher Anstoss kräuselt das Wasser,
deutet ein wechselndes Leuchten an,
Alge, Fisch oder Widerschein...
Aber da sind keine Ufer, da ist kein Boot
zwischen ihnen, oder man sieht es
schon nicht mehr, das Wasser bleibt,
und über dem Wasser scheint sich ein Schatten
zu öffnen, sich auszubreiten, scheint etwas
zusammenzufügen, das du nicht siehst;
ein Schatten, oder ein Kielwasser...

 

DUE RIVE

I

Una barca attraversa l'acqua, poco prima dell'alba:
si avvicina? si alontana? Nella luce
metallica, ancora, grigia, nell'aria fredda,
tra i vapori e le brume notturne, va sicura
e sposta adagio l'acqua, remo su remo.
Poi arriverà anche il giorno, a illuminare
quello che era indistinto. Ma la barca
solca un confine fragile
e scompare. Che sia inutile,
questo viaggio. Inutile ed essenziale.
Nessun trasporto, o luogo dove andare.
Solo l'acqua da attraversare,
la luce da anticipare,
il giorno da separaredalla notte


II

Se la vedi, qualche volta, pensi anche
a due rive immaginarie e fuori vista.
Da una parte
rovine, vasti mucchi
di terriccio o di ghiaia, uno scenario
travolto, serale - forse una strada stretta,
di case alte e smangiate e scale grigie, ringhiere,
stanze e bottiglie vuote, il funerale
di coriandoli, un lavandino
che butta per sempre o fino a mai più
fino all'ultimo fiume
che esplode nelle vene, alla morìa
di spettri laceri, affranti:
non ricordateci, o fatelo, non serve
a restituire nulla, siamo nella pianura
gelata, sotto una crosta dura, non siamo neppure
lì, forse vorremmo soltanto non essere
mai stati -,
una stanchezza del sole e del tempo, atrocità
minime, quotidiane: ventuno, ventidue, ventitrè,
nessun respiro;
e verso l'altra riva che non c'è
un po' di nebbia vaga, azzurrina,
il chiarore inatteso
che stupisce e rallegra quando accende
la rinnovata pulizia dell'aria
- stelle, stelline, lucciole, pulviscoli
sulla corrente di un fiume, ali impreviste
che radono o, più semplicemente, dietro l'angolo
la prospettiva di strade che socchiudono
qualcosa forse un'ipotesi o uno sguardo
più intenso sulle cose, meno greve:
ricorderemo il tuo sguardo dolce, diremo il tuo nome
ai nostri figli come quello di un amico,
ti cercheremo nella pianura, nell'erba rada -,
e un invisibile moto increspa l'acqua,
suggerisce un bagliore cangiante,
alga pesce o riflesso.
Ma non ci sono rive, non c'è barca
tra loro, o non si vede
già più, rimane l'acqua,
e sopra l'acqua un'ombra sembra aprirsi,
sembra espandersi quasi, collegare
qualcosa che non vedi;
un'ombra, o una scia...

Fabio Pusteria, geboren 1957 in
Mendrisio, lebt in Norditalien und
unterrichtet in Lugano am Gymnasium.
Bekannt geworden vor allem als Lyriker,
aber auch als Übersetzer und als
Herausgeber von Lyrik aus dem
Französischen und Portugiesischen
sowie als Essayist.
Er erhält am 21. Juni in Zürich den
diesjährigen Gottfried-Keller-Preis.
Die von der Martin Bodmer-Stiftung
vergebene Auszeichnung ist mit 25'000 Franken
eine der höchstdotierten im deutschen Sprachraum.

Entnommen der "Tessiner Zeitung" vom 20. April 2007

Und pflanze einen Baum

 

Und pflanze einen Baum
Gegen die Gleichgültigkeit
Deine Gleichgültigkeit Einen
Baum Weil meine Liebe
Etwas pflanzen muss.

Und werde ihn hüten
Für dich
Oder für uns
Denn einmal wirst du kommen
Und seinen Schatten suchen

Später
Dann
Wenn die Sonne dich ermüdet
Und du wirst schlafen
Unter meinem Baum...

Lissy Klinger-Lohr, Brissago
aus: Nichts. Gedichte. Poncioni S.A., Losone 1986 

4月11日

Im Kreis laufen

Auch du, die du im Kreis läufst,
bitte höre auf damit.
Warum tust du das?

"Ich kann nicht sein ohne zu laufen,
weil ich nicht weiß, wohin ich gehen soll.
deshalb laufe ich im Kreis"

Ach du, der du im Kreis läufst
bitte höre auf.

"Aber wenn ich damit aufhöre,
höre ich auf zu sein."

Ach meine Freundin, mein Freund,
die ihr im Kreise lauft,
ihr seid doch nicht eins mit dem verückten Im-Kreis-laufen.
Ihr könnt auch am Laufen Freude haben,
ohne im Kreis zu gehen.


"Wohin kann ich gehen?"

Gehe dorthin, wo du dein Liebstes findest-
dorthin, wo du dich selbst findest.

Thich Nhat Hanh

4月3日

Ohne Worte

 
Eine Frau mit viel (Ehe) Erfahrung.
Jindra Vikova